1922 Statt Max Slevogt wird Karl Caspar für die Nachfolge von Heinrich von Zügel berufen, allerdings gegen den Widerstand des Direktors Carl von Marr und Teilen des Kollegiums, denen der gemäßigte Expressionist Caspar zu modern ist.
1924 Die ministerielle Aufforderung, verstärkt mit der Kunstgewerbeschule zusammenzuarbeiten, läuft schließlich darauf hinaus, dass German Bestelmeyer als Regierungskommissar die Aufsicht über die Kunstgewerbeschule übernimmt, deren Direktor Riemerschmid sich dieser Maßnahme verweigert und seinen Posten räumen muss.
1933 Hitlers „Machtergreifung“ am 30. Januar. Die meisten Akademieprofessoren unterschreiben den Protest der Richard-Wagner-Stadt München, in dem Thomas Mann diffamiert wird. Gemäß der Verordnung des »Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« müssen die Professoren den Nachweis erbringen, dass sie eine »arische« Abstammung besitzen. Unter der Leitung von Josef Wackerle wird im März der erste Festzug zum »Tag der Deutschen Kunst« anlässlich der Grundsteinlegung für das „Haus der Deutschen Kunst“ ausgerichtet. Hitler wird auf Beschluss des Kollegiums mit der neuen »Medaille für Verdienste um die Kunst« in Gold ausgezeichnet, die am Vortag übergeben wird. Die Akademieverfassung soll durch die Einführung des Führerprinzips ergänzt werden. Neue Bestimmungen über Aufnahme und Studium werden erlassen.
1934 Adolf Ziegler ist seit dem Vorjahr Vertragslehrer für Maltechnik und wird nun auf Wunsch Hitlers und gegen den Willen des Kollegiums als Professor berufen.
1935 Erlass der »Nürnberger Gesetze«, die eine Meldepflicht nach rassistischen Kategorien vorsehen. 211 männliche und 66 weibliche Studenten sind immatrikuliert; die Zahl »nichtarischer« Studierender beläuft sich bis 1938 auf ein bis zwei pro Jahr. Bestelmeyer und Ziegler werden zu Reichskultursenatoren ernannt, ein Jahr später auch Wackerle.
1937 Ziegler wird von Goebbels ermächtigt, »Verfallskunst seit 1910« aus Museumsbeständen zu beschlagnahmen. Hitler ernennt den Bildhauer Josef Thorak im April zum Professor mit dem Zusatz »Zugleich sichere ich Ihnen meinen persönlichen Schutz zu«. Das Kollegium der Akademie zieht seinen Antrag zurück, Hans Gött zum Ehrenmitglied zu ernennen, nachdem es erfahren hat, dass dessen Bilder bei einer Vorbesichtigung der »Großen Deutschen Kunstausstellung« auf Befehl Hitlers entfernt worden sind. Der propagandistische Festzug zum »Tag der Deutschen Kunst« wird, unter dem Motto »2000 Jahre deutsche Kultur«, durch die späteren Professoren Hermann Kaspar und Richard Knecht gestaltet. Mit der Androhung eines »unerbittlichen Säuberungskriegs« gegen die modernen Künstler eröffnet Hitler die erste »Große Deutsche Kunstausstellung« im »Haus der Deutschen Kunst«, in der seitens der Akademie Bleeker, Gulbransson, Hahn, Jank, Thorak, Wackerle, Ziegler und Zügel vertreten sind. Constantin Gerhardinger, Hermann Kaspar, Richard Knecht, Georg Müller, Anton (Toni) Roth und Franz Xaver Stahl, die auch unter den Teilnehmern sind, werden in den Folgejahren an die Akademie berufen. In der von Ziegler organisierten Ausstellung »Entartete Kunst« in den Münchner Hofgartenarkaden hängen Bilder des noch amtierenden Professors Karl Caspar, dem die vorzeitige Versetzung in den Ruhestand mitgeteilt wird. Die Staatsschule für angewandte Kunst wird ebenfalls Akademie.
1938 An der Akademie für angewandte Kunst wird Walther Teutsch wegen seiner »Mischehe« mit einer Jüdin entlassen, ein Jahr später, aus dem gleichen Grund, Carl Sattler sowie, als »Halbjude«, Fritz Helmuth Ehmcke. Der 68jährige Julius Diez, ebenfalls mit einer Jüdin verheiratet, war 1937 auf Fürsprache Bestelmeyers nicht aus seiner Professur an der Akademie der Bildenden Künste entlassen, sondern schließlich in den altersbedingten Ruhestand versetzt worden. Auf seine Stelle wird Hermann Kaspar berufen, der von 1937 bis 1939 »Gesamtgestalter« der Propaganda-Umzüge zum »Tag der Deutschen Kunst« war sowie, als Günstling Albert Speers, Innenausstatter der Neuen Reichskanzlei; Kaspar soll auch die verbliebenen Schüler Karl Caspars übernehmen.
1942 Bestelmeyer stirbt und erhält ein pompöses Staatsbegräbnis. Nach seinem Tod übernimmt Bernhard Bleeker kommissarisch die Leitung der Akademie.
1943 Ziegler wird wegen »staatsabträglichen Verhaltens« verhaftet und für rund sechs Wochen im KZ Dachau interniert. Danach wird er seines Dienstes als ordentlicher Professor sowie Präsident der Reichskammer der Bildenden Künste enthoben und 1944 auf persönliche Weisung Hitlers in den Ruhestand versetzt, was ihm bis Kriegsende die Ruhestandsbezüge erhält.
1944 Bei einem Fliegerangriff im Juli wird die Akademie zerstört; bis auf die Umfassungsmauern und die Gewölbedecken im Erdgeschoss brennt sie aus. Dabei werden auch das Archiv, die umfangreiche Kostümsammlung und große Teile der Gipsabgusssammlung vernichtet. Im Oktober werden offiziell alle Kunsthochschulen geschlossen.
1945 Im Oktober Entlassung ehemaliger NSDAP-Mitglieder und Nazi-Künstler durch die Militärregierung; Adolf Schinnerer übernimmt die kommissarische Leitung. An der Akademie werden Bleeker, Knecht, Stahl und Thorak entlassen. Die Entlassung Hermann Kaspars wird wenig später zurückgenommen. Auch späterhin überstand Kaspar immer wieder aufflackernde Diskussionen über seine Rolle als exponierter Dekorateur des Nazi-Regimes, um der Akademie bis 1972 als auch politisch und gesellschaftlich einflussreicher Professor erhalten zu bleiben.
1946 Der Architekt Carl Sattler, bis 1933 Leiter der Kunstgewerbeschule und dort 1939 entlassen, wird zum Präsidenten der Akademie bestellt. Am 25. Juli wird das »Munich College of Fine Arts« wiedereröffnet und vier Tage später der Unterricht aufgenommen. Am 7. August findet die gemeinsame Eröffnungsfeier der drei Kunsthochschulen Münchens (bildende Kunst, angewandte Kunst und Tonkunst) im Schauspielhaus statt. Im September wird schließlich die Akademie der Bildenden Künste mit der Akademie für Angewandte Kunst zusammengelegt und firmiert nun als »Hochschule der Bildenden Künste in München«. Mit Else Brauneis, die seit 1923 Malerei, Perspektive und Darstellende Geometrie an der Kunstgewerbeschule unterrichtete, wird die erste und bis 1992 einzige Professorin an die Münchner Kunstakademie berufen. Die Berufung von Xaver Fuhr wird gegen den Willen der Akademie durch das Ministerium und die amerikanische Militärregierung durchgesetzt. Gründung der »Neuen Gruppe«, zu der die späteren Professoren Adolf Hartmann und Ernst Geitlinger gehören sowie die amtierenden Caspar, Heß, Schinnerer und Stadler.
1949 Seit dem 15. Juli führt die Akademie die Anschrift Hochschule der Bildenden Künste, München 13, Akademiestraße 2. Alle der zwischenzeitlichen Außenstellen sind wieder im Gebäude am Siegestor untergebracht, das noch lange nicht fertig gestellt ist.
1951 Mit Ernst Geitlinger, einem Schüler Karl Caspars, wird der erste abstrakt arbeitende Künstler berufen.
1954 Studenten aller Kunsthochschulen des Bundesgebietes stellen in der Akademie aus. Horst Eckert studiert in der Klasse Geitlinger und setzt ab 1960, nunmehr als Janosch, die Tradition wichtiger Buchillustratoren aus den Reihen der Akademie nach Wilhelm Busch und Walter Trier fort; später folgt Quint Buchholz, der in den 1980er Jahren bei Gerd Winner studiert.
1955 Auf der ersten Kasseler documenta, einem Rückblick auf die Kunst des 20.Jahrhunderts, sind mit Xaver Fuhr und Toni Stadler zwei amtierende Professoren vertreten.
1958 Mit dem Maler Jean Deyrolle und dem Bildhauer Emilio Greco werden die ersten Ausländer in der Nachkriegszeit berufen; 1962 folgt der Däne Robert Jacobsen. Die geplante Einstellung des documenta-Verantwortlichen Werner Haftmann als Akademiesekretär kommt nicht zustande.
1959 Für den Rest der Amtszeit von Präsident Sep Ruf wird Hermann Kaspar zum Vizepräsidenten gewählt, eine Stellung, die er bis 1966 innehatte.
1965 Im Haus der Kunst sowie dem Kunstverein findet die Ausstellung »Junge Künstler der Akademie 1945-1965« statt, in der rund 400 Absolventen und Studenten vertreten sind. Zur Eröffnung hält der 1963 als Professor berufene Kunsthistoriker Harro Ernst eine Rede, in der er die Pop Art als inferiore Zeiterscheinung schmäht.
1967 Am 26. Juni, konstituiert sich die »Hochschulgruppe sozialistischer Kunststudenten (HSK)« an der Akademie.
1968 Bei ihrem ersten »teach-in« im Januar 1968 stellt die HSK die Benutzung der Akademie-Werkstätten zu Diskussion. Die Studierenden kritisieren, dass sie durch private Arbeiten der Professoren an der Benutzung der Werkstätten behindert würden. Im Mai veranstalten die Studierenden ein »Notstands-Happening« auf der Wiese vor der Akademie. Die Studentenvertretung (AStA) zeigt die Dokumentation zum »Fall Hermann Kaspar«. Grundlage der Ausstellung ist die gleichnamige Broschüre, in der Reinhard Müller-Mehlis 1966 Kaspars exponierte Arbeiten im Sinne des Nazi-Regimes in Erinnerung gerufen hatte. Fast täglich finden in der Aula Vollversammlungen statt. Am 26. Juni beginnen die Studenten mit ersten Wandbemalungen im Foyer. Im Dezember installieren sie im Treppenhaus unter den Gedenktafeln für die Toten der beiden Weltkriege eine noch heute existierende »Antiheldengedenktafel« mit Zeilen von Bert Brecht. Auf der documenta IV ist von den Akademieprofessoren Günter Fruhtrunk vertreten.
1969 Am 4. Februar veranstaltet der AStA eine parodistische Immatrikulationsfeier; einen Tag später findet der »Tag des Zweirads« statt. Neben einigen schweren Maschinen sind hauptsächlich Mopeds und Fahrräder beteiligt, die durch die Gänge rasen, um »das Establishment einzuschüchtern und die Akademie zu entweihen«. Die Studenten bemalen die Wände mit Parolen und kruder Agitationskunst. Die Bild-Zeitung vom 21. Februar titelt: »Münchens Akademie in Schweinestall verwandelt«. Die Akademie wird am 22. Februar von Kultusminister Ludwig Huber geschlossen; ein Verwaltungsgerichtsurteil hebt diese Schließung wieder auf. Rücktritt Nestlers wegen »dirigistischer Ordnungseingriffe des Kultusministeriums«. Im August wird erstmals ein Präsidialkollegium unter Vorsitz von Franz Nagel bestellt. Der Senat der Akademie beschließt, dass alle Lehrangebote künftig schriftlich formuliert und angeschlagen sowie Werkstätten für Fotografie und Kunststoff eingerichtet werden sollen.
1970 Der Senat beschließt, künftig seine Sitzungen hochschulöffentlich abzuhalten, was mit Einschränkung für Personal- und Prüfungsangelegenheiten genehmigt wird. Das Präsidialkollegium unter Nagel tritt aufgrund mangelnden Handlungsspielraums zurück, wird aber erst sieben Monate später aus dem Amt entlassen. Unter dem Titel »Die herrschende Ästhetik ist die Ästhetik der Herrschenden« zeigen Akademiestudenten im Münchner Kunstverein eine Ausstellung zur jüngsten Akademiegeschichte mit Wandmalereien sowie Fotografien von Branko Senjor und veröffentlichen eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten zur politischen Geschichte der Akademie. Wegen dieser Ergänzung zu der von Pontus Hulten konzipierten Ausstellung »Poesie muß von allen gemacht werden! Verändert die Welt!« streicht das Ministerium die Zuwendungen an den Kunstverein.
Die Ereignisse dieser Jahre führen zu einer lange anhaltenden Entfremdung zwischen der Akademie und dem Ministerium, deren Opfer nicht nur die überfällige Sanierung des Hauses wird, sondern auch der Erweiterungsbau im Akademiegarten.
1971 Die Lehramtsklasse von Thomas Zacharias umfasst 229 und damit fast ein Viertel aller Studierenden.
1973 Der Senat beschließt »Grundsätze für die Durchführung der Akademiereform«, die unter anderem eine Gliederung des Hauses in drei Fachbereiche vorsehen: 1. Malerei, Grafik, Bildhauerei, 2. Architektur, angewandte Künste, 3. Kunsterziehung.
1978 Nachdem durch ein Sondervotum die Berufung des im Ministerium tätigen Studiendirektors Franz Bernhard Weißhaar auf einen Lehrstuhl für Malerei ermöglicht wurde, treten der Akademiepräsident und ein Großteil der Senatsmitglieder zurück.
Die Klasse für Innenarchitektur entwickelt sich zu einem Studiengang mit eigener Diplomprüfungsordnung, die aber nicht zur Gleichstellung mit Universitätsabschlüssen führt.
1981 Mit Eduardo Paolozzi und Robin Page werden die ersten beiden Professoren aus der britischen und nordamerikanischen Kunstszene berufen, an der sich die internationalen Berufungen der Akademie nun stärker orientieren. Die Architekturklasse geht in den Aufbaustudiengang »Reale Architektur und Bildende Kunst« über.
1982 Im Oktober wird erstmals eine Professur für Philosophie und Bildende Kunst ausgeschrieben. Jürgen Klauke übernimmt eine neu geschaffene, einjährige Gastprofessur.
1983 Festwoche »175 Jahre Akademie der Bildenden Künste« und
»100 Jahre Gottfried-von-Neureuther-Bau« mit zahlreichen Veranstaltungen. Die Klasse des neu berufenen Daniel Spoerri veranstaltet das Fest »Astro–Gastronomie‚ 12 Sterne-Küche«. Gründung des »Vereins der Freunde und Förderer der AdBK München e.V.«.
1985 Die von Thomas Zacharias herausgegebene Festschrift Tradition und Widerspruch. 175 Jahre Kunstakademie München erscheint. Mit Helmut Sturm wird ein Gründungsmitglied der Gruppe SPUR berufen, die 1957 aus der Akademie hervorgegangen und ein Vorläufer der Studentenbewegung war.
1987 Gründung des Aufbaustudienganges »Bildnerisches Gestalten und Therapie«.
1989 Mit Gründung der Akademie-Galerie im Sperrengeschoss der U-Bahn-Station »Universität« wird eine kontinuierliche Möglichkeit geschaffen, die aktuelle Arbeit von Studenten vorzustellen. Beginn eines Ringaustauschs mit sechs europäischen Kunsthochschulen im Rahmen des »Erasmus«-Programms.
1990 Es erscheint der erste Band einer von Wieland Schmied ins Leben gerufenen neuen Schriftenreihe. Gründung der »Erwin und Gisela von Steiner-Stiftung«, die studentische Projekte unterstützt.
1991 An die Stelle des Präsidialkollegiums tritt eine Rektoratsverfassung.
1992 Auslobung eines Wettbewerbes für den Erweiterungsbau. Insgesamt werden 178 Entwürfe eingereicht. Unter den fünf gleichrangigen Preisträgern, denen Überarbeitungen empfohlen wurden, erhält Coop Himmelb(l)au in einem zweiten Durchgang mit 10:2 Stimmen den Zuschlag. Eine Medienwerkstatt wird eingerichtet. An der Akademie sind 654 Studenten eingeschrieben und 37 Professoren tätig.
1999 Um Förderer für den Plan zu gewinnen, die Sanierung schon vor der 200-Jahrfeier abzuschließen und den Erweiterungsbau wieder auf die politische Tagesordnung zu setzen, wird durch Vermittlung von S.K.H. Herzog Franz von Bayern und Lothar Späth die »Stiftung Kunstakademie München« ins Leben gerufen. Die Sanierung des Gebäudes beginnt, zunächst mit der Reinigung und Restaurierung der Fassade.
2003 Grundsteinlegung für den Neubau. Konstituierung einer Forschergruppe zur Geschichte der Münchner Akademie und der Künstlerausbildung mit Kunsthistorikern der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München (ZI) sowie der Akademie.
2005 Der Erweiterungsbau der Akademie ist fertiggestellt. Die Akademie beteiligt sich an der Bundesgartenschau in München-Riem mit einer von Stephan Huber, Florian Matzner und Hermann Pitz kuratierten Ausstellung von Studenten.
2008 Ausstellungen zur Geschichte der Akademie in der Pinakothek der Moderne (Architekturmuseum; Neue Sammlung), im Haus der Kunst sowie in der Villa Stuck (Secession) in München. Umfangreiche Veranstaltungsreihe »Föhn, Form, Ferstand« in der Akademie sowie eine speziell konzipierte, verlängerte Jahresausstellung. Die digitale Edition der Matrikelbücher wird im Internet veröffentlicht.
Im Herbst werden nach beinahe 10jähriger Altbausanierung und benachbartem
Neubau die Räumlichkeiten an der Akademiestraße wieder bezogen und damit die provisorischen Außenquartiere der Akademie endgültig aufgegeben.
1924 Die ministerielle Aufforderung, verstärkt mit der Kunstgewerbeschule zusammenzuarbeiten, läuft schließlich darauf hinaus, dass German Bestelmeyer als Regierungskommissar die Aufsicht über die Kunstgewerbeschule übernimmt, deren Direktor Riemerschmid sich dieser Maßnahme verweigert und seinen Posten räumen muss.
1933 Hitlers „Machtergreifung“ am 30. Januar. Die meisten Akademieprofessoren unterschreiben den Protest der Richard-Wagner-Stadt München, in dem Thomas Mann diffamiert wird. Gemäß der Verordnung des »Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« müssen die Professoren den Nachweis erbringen, dass sie eine »arische« Abstammung besitzen. Unter der Leitung von Josef Wackerle wird im März der erste Festzug zum »Tag der Deutschen Kunst« anlässlich der Grundsteinlegung für das „Haus der Deutschen Kunst“ ausgerichtet. Hitler wird auf Beschluss des Kollegiums mit der neuen »Medaille für Verdienste um die Kunst« in Gold ausgezeichnet, die am Vortag übergeben wird. Die Akademieverfassung soll durch die Einführung des Führerprinzips ergänzt werden. Neue Bestimmungen über Aufnahme und Studium werden erlassen.
1934 Adolf Ziegler ist seit dem Vorjahr Vertragslehrer für Maltechnik und wird nun auf Wunsch Hitlers und gegen den Willen des Kollegiums als Professor berufen.
1935 Erlass der »Nürnberger Gesetze«, die eine Meldepflicht nach rassistischen Kategorien vorsehen. 211 männliche und 66 weibliche Studenten sind immatrikuliert; die Zahl »nichtarischer« Studierender beläuft sich bis 1938 auf ein bis zwei pro Jahr. Bestelmeyer und Ziegler werden zu Reichskultursenatoren ernannt, ein Jahr später auch Wackerle.
1937 Ziegler wird von Goebbels ermächtigt, »Verfallskunst seit 1910« aus Museumsbeständen zu beschlagnahmen. Hitler ernennt den Bildhauer Josef Thorak im April zum Professor mit dem Zusatz »Zugleich sichere ich Ihnen meinen persönlichen Schutz zu«. Das Kollegium der Akademie zieht seinen Antrag zurück, Hans Gött zum Ehrenmitglied zu ernennen, nachdem es erfahren hat, dass dessen Bilder bei einer Vorbesichtigung der »Großen Deutschen Kunstausstellung« auf Befehl Hitlers entfernt worden sind. Der propagandistische Festzug zum »Tag der Deutschen Kunst« wird, unter dem Motto »2000 Jahre deutsche Kultur«, durch die späteren Professoren Hermann Kaspar und Richard Knecht gestaltet. Mit der Androhung eines »unerbittlichen Säuberungskriegs« gegen die modernen Künstler eröffnet Hitler die erste »Große Deutsche Kunstausstellung« im »Haus der Deutschen Kunst«, in der seitens der Akademie Bleeker, Gulbransson, Hahn, Jank, Thorak, Wackerle, Ziegler und Zügel vertreten sind. Constantin Gerhardinger, Hermann Kaspar, Richard Knecht, Georg Müller, Anton (Toni) Roth und Franz Xaver Stahl, die auch unter den Teilnehmern sind, werden in den Folgejahren an die Akademie berufen. In der von Ziegler organisierten Ausstellung »Entartete Kunst« in den Münchner Hofgartenarkaden hängen Bilder des noch amtierenden Professors Karl Caspar, dem die vorzeitige Versetzung in den Ruhestand mitgeteilt wird. Die Staatsschule für angewandte Kunst wird ebenfalls Akademie.
1938 An der Akademie für angewandte Kunst wird Walther Teutsch wegen seiner »Mischehe« mit einer Jüdin entlassen, ein Jahr später, aus dem gleichen Grund, Carl Sattler sowie, als »Halbjude«, Fritz Helmuth Ehmcke. Der 68jährige Julius Diez, ebenfalls mit einer Jüdin verheiratet, war 1937 auf Fürsprache Bestelmeyers nicht aus seiner Professur an der Akademie der Bildenden Künste entlassen, sondern schließlich in den altersbedingten Ruhestand versetzt worden. Auf seine Stelle wird Hermann Kaspar berufen, der von 1937 bis 1939 »Gesamtgestalter« der Propaganda-Umzüge zum »Tag der Deutschen Kunst« war sowie, als Günstling Albert Speers, Innenausstatter der Neuen Reichskanzlei; Kaspar soll auch die verbliebenen Schüler Karl Caspars übernehmen.
1942 Bestelmeyer stirbt und erhält ein pompöses Staatsbegräbnis. Nach seinem Tod übernimmt Bernhard Bleeker kommissarisch die Leitung der Akademie.
1943 Ziegler wird wegen »staatsabträglichen Verhaltens« verhaftet und für rund sechs Wochen im KZ Dachau interniert. Danach wird er seines Dienstes als ordentlicher Professor sowie Präsident der Reichskammer der Bildenden Künste enthoben und 1944 auf persönliche Weisung Hitlers in den Ruhestand versetzt, was ihm bis Kriegsende die Ruhestandsbezüge erhält.
1944 Bei einem Fliegerangriff im Juli wird die Akademie zerstört; bis auf die Umfassungsmauern und die Gewölbedecken im Erdgeschoss brennt sie aus. Dabei werden auch das Archiv, die umfangreiche Kostümsammlung und große Teile der Gipsabgusssammlung vernichtet. Im Oktober werden offiziell alle Kunsthochschulen geschlossen.
1945 Im Oktober Entlassung ehemaliger NSDAP-Mitglieder und Nazi-Künstler durch die Militärregierung; Adolf Schinnerer übernimmt die kommissarische Leitung. An der Akademie werden Bleeker, Knecht, Stahl und Thorak entlassen. Die Entlassung Hermann Kaspars wird wenig später zurückgenommen. Auch späterhin überstand Kaspar immer wieder aufflackernde Diskussionen über seine Rolle als exponierter Dekorateur des Nazi-Regimes, um der Akademie bis 1972 als auch politisch und gesellschaftlich einflussreicher Professor erhalten zu bleiben.
1946 Der Architekt Carl Sattler, bis 1933 Leiter der Kunstgewerbeschule und dort 1939 entlassen, wird zum Präsidenten der Akademie bestellt. Am 25. Juli wird das »Munich College of Fine Arts« wiedereröffnet und vier Tage später der Unterricht aufgenommen. Am 7. August findet die gemeinsame Eröffnungsfeier der drei Kunsthochschulen Münchens (bildende Kunst, angewandte Kunst und Tonkunst) im Schauspielhaus statt. Im September wird schließlich die Akademie der Bildenden Künste mit der Akademie für Angewandte Kunst zusammengelegt und firmiert nun als »Hochschule der Bildenden Künste in München«. Mit Else Brauneis, die seit 1923 Malerei, Perspektive und Darstellende Geometrie an der Kunstgewerbeschule unterrichtete, wird die erste und bis 1992 einzige Professorin an die Münchner Kunstakademie berufen. Die Berufung von Xaver Fuhr wird gegen den Willen der Akademie durch das Ministerium und die amerikanische Militärregierung durchgesetzt. Gründung der »Neuen Gruppe«, zu der die späteren Professoren Adolf Hartmann und Ernst Geitlinger gehören sowie die amtierenden Caspar, Heß, Schinnerer und Stadler.
1949 Seit dem 15. Juli führt die Akademie die Anschrift Hochschule der Bildenden Künste, München 13, Akademiestraße 2. Alle der zwischenzeitlichen Außenstellen sind wieder im Gebäude am Siegestor untergebracht, das noch lange nicht fertig gestellt ist.
1951 Mit Ernst Geitlinger, einem Schüler Karl Caspars, wird der erste abstrakt arbeitende Künstler berufen.
1954 Studenten aller Kunsthochschulen des Bundesgebietes stellen in der Akademie aus. Horst Eckert studiert in der Klasse Geitlinger und setzt ab 1960, nunmehr als Janosch, die Tradition wichtiger Buchillustratoren aus den Reihen der Akademie nach Wilhelm Busch und Walter Trier fort; später folgt Quint Buchholz, der in den 1980er Jahren bei Gerd Winner studiert.
1955 Auf der ersten Kasseler documenta, einem Rückblick auf die Kunst des 20.Jahrhunderts, sind mit Xaver Fuhr und Toni Stadler zwei amtierende Professoren vertreten.
1958 Mit dem Maler Jean Deyrolle und dem Bildhauer Emilio Greco werden die ersten Ausländer in der Nachkriegszeit berufen; 1962 folgt der Däne Robert Jacobsen. Die geplante Einstellung des documenta-Verantwortlichen Werner Haftmann als Akademiesekretär kommt nicht zustande.
1959 Für den Rest der Amtszeit von Präsident Sep Ruf wird Hermann Kaspar zum Vizepräsidenten gewählt, eine Stellung, die er bis 1966 innehatte.
1965 Im Haus der Kunst sowie dem Kunstverein findet die Ausstellung »Junge Künstler der Akademie 1945-1965« statt, in der rund 400 Absolventen und Studenten vertreten sind. Zur Eröffnung hält der 1963 als Professor berufene Kunsthistoriker Harro Ernst eine Rede, in der er die Pop Art als inferiore Zeiterscheinung schmäht.
1967 Am 26. Juni, konstituiert sich die »Hochschulgruppe sozialistischer Kunststudenten (HSK)« an der Akademie.
1968 Bei ihrem ersten »teach-in« im Januar 1968 stellt die HSK die Benutzung der Akademie-Werkstätten zu Diskussion. Die Studierenden kritisieren, dass sie durch private Arbeiten der Professoren an der Benutzung der Werkstätten behindert würden. Im Mai veranstalten die Studierenden ein »Notstands-Happening« auf der Wiese vor der Akademie. Die Studentenvertretung (AStA) zeigt die Dokumentation zum »Fall Hermann Kaspar«. Grundlage der Ausstellung ist die gleichnamige Broschüre, in der Reinhard Müller-Mehlis 1966 Kaspars exponierte Arbeiten im Sinne des Nazi-Regimes in Erinnerung gerufen hatte. Fast täglich finden in der Aula Vollversammlungen statt. Am 26. Juni beginnen die Studenten mit ersten Wandbemalungen im Foyer. Im Dezember installieren sie im Treppenhaus unter den Gedenktafeln für die Toten der beiden Weltkriege eine noch heute existierende »Antiheldengedenktafel« mit Zeilen von Bert Brecht. Auf der documenta IV ist von den Akademieprofessoren Günter Fruhtrunk vertreten.
1969 Am 4. Februar veranstaltet der AStA eine parodistische Immatrikulationsfeier; einen Tag später findet der »Tag des Zweirads« statt. Neben einigen schweren Maschinen sind hauptsächlich Mopeds und Fahrräder beteiligt, die durch die Gänge rasen, um »das Establishment einzuschüchtern und die Akademie zu entweihen«. Die Studenten bemalen die Wände mit Parolen und kruder Agitationskunst. Die Bild-Zeitung vom 21. Februar titelt: »Münchens Akademie in Schweinestall verwandelt«. Die Akademie wird am 22. Februar von Kultusminister Ludwig Huber geschlossen; ein Verwaltungsgerichtsurteil hebt diese Schließung wieder auf. Rücktritt Nestlers wegen »dirigistischer Ordnungseingriffe des Kultusministeriums«. Im August wird erstmals ein Präsidialkollegium unter Vorsitz von Franz Nagel bestellt. Der Senat der Akademie beschließt, dass alle Lehrangebote künftig schriftlich formuliert und angeschlagen sowie Werkstätten für Fotografie und Kunststoff eingerichtet werden sollen.
1970 Der Senat beschließt, künftig seine Sitzungen hochschulöffentlich abzuhalten, was mit Einschränkung für Personal- und Prüfungsangelegenheiten genehmigt wird. Das Präsidialkollegium unter Nagel tritt aufgrund mangelnden Handlungsspielraums zurück, wird aber erst sieben Monate später aus dem Amt entlassen. Unter dem Titel »Die herrschende Ästhetik ist die Ästhetik der Herrschenden« zeigen Akademiestudenten im Münchner Kunstverein eine Ausstellung zur jüngsten Akademiegeschichte mit Wandmalereien sowie Fotografien von Branko Senjor und veröffentlichen eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten zur politischen Geschichte der Akademie. Wegen dieser Ergänzung zu der von Pontus Hulten konzipierten Ausstellung »Poesie muß von allen gemacht werden! Verändert die Welt!« streicht das Ministerium die Zuwendungen an den Kunstverein.
Die Ereignisse dieser Jahre führen zu einer lange anhaltenden Entfremdung zwischen der Akademie und dem Ministerium, deren Opfer nicht nur die überfällige Sanierung des Hauses wird, sondern auch der Erweiterungsbau im Akademiegarten.
1971 Die Lehramtsklasse von Thomas Zacharias umfasst 229 und damit fast ein Viertel aller Studierenden.
1973 Der Senat beschließt »Grundsätze für die Durchführung der Akademiereform«, die unter anderem eine Gliederung des Hauses in drei Fachbereiche vorsehen: 1. Malerei, Grafik, Bildhauerei, 2. Architektur, angewandte Künste, 3. Kunsterziehung.
1978 Nachdem durch ein Sondervotum die Berufung des im Ministerium tätigen Studiendirektors Franz Bernhard Weißhaar auf einen Lehrstuhl für Malerei ermöglicht wurde, treten der Akademiepräsident und ein Großteil der Senatsmitglieder zurück.
Die Klasse für Innenarchitektur entwickelt sich zu einem Studiengang mit eigener Diplomprüfungsordnung, die aber nicht zur Gleichstellung mit Universitätsabschlüssen führt.
1981 Mit Eduardo Paolozzi und Robin Page werden die ersten beiden Professoren aus der britischen und nordamerikanischen Kunstszene berufen, an der sich die internationalen Berufungen der Akademie nun stärker orientieren. Die Architekturklasse geht in den Aufbaustudiengang »Reale Architektur und Bildende Kunst« über.
1982 Im Oktober wird erstmals eine Professur für Philosophie und Bildende Kunst ausgeschrieben. Jürgen Klauke übernimmt eine neu geschaffene, einjährige Gastprofessur.
1983 Festwoche »175 Jahre Akademie der Bildenden Künste« und
»100 Jahre Gottfried-von-Neureuther-Bau« mit zahlreichen Veranstaltungen. Die Klasse des neu berufenen Daniel Spoerri veranstaltet das Fest »Astro–Gastronomie‚ 12 Sterne-Küche«. Gründung des »Vereins der Freunde und Förderer der AdBK München e.V.«.
1985 Die von Thomas Zacharias herausgegebene Festschrift Tradition und Widerspruch. 175 Jahre Kunstakademie München erscheint. Mit Helmut Sturm wird ein Gründungsmitglied der Gruppe SPUR berufen, die 1957 aus der Akademie hervorgegangen und ein Vorläufer der Studentenbewegung war.
1987 Gründung des Aufbaustudienganges »Bildnerisches Gestalten und Therapie«.
1989 Mit Gründung der Akademie-Galerie im Sperrengeschoss der U-Bahn-Station »Universität« wird eine kontinuierliche Möglichkeit geschaffen, die aktuelle Arbeit von Studenten vorzustellen. Beginn eines Ringaustauschs mit sechs europäischen Kunsthochschulen im Rahmen des »Erasmus«-Programms.
1990 Es erscheint der erste Band einer von Wieland Schmied ins Leben gerufenen neuen Schriftenreihe. Gründung der »Erwin und Gisela von Steiner-Stiftung«, die studentische Projekte unterstützt.
1991 An die Stelle des Präsidialkollegiums tritt eine Rektoratsverfassung.
1992 Auslobung eines Wettbewerbes für den Erweiterungsbau. Insgesamt werden 178 Entwürfe eingereicht. Unter den fünf gleichrangigen Preisträgern, denen Überarbeitungen empfohlen wurden, erhält Coop Himmelb(l)au in einem zweiten Durchgang mit 10:2 Stimmen den Zuschlag. Eine Medienwerkstatt wird eingerichtet. An der Akademie sind 654 Studenten eingeschrieben und 37 Professoren tätig.
1999 Um Förderer für den Plan zu gewinnen, die Sanierung schon vor der 200-Jahrfeier abzuschließen und den Erweiterungsbau wieder auf die politische Tagesordnung zu setzen, wird durch Vermittlung von S.K.H. Herzog Franz von Bayern und Lothar Späth die »Stiftung Kunstakademie München« ins Leben gerufen. Die Sanierung des Gebäudes beginnt, zunächst mit der Reinigung und Restaurierung der Fassade.
2003 Grundsteinlegung für den Neubau. Konstituierung einer Forschergruppe zur Geschichte der Münchner Akademie und der Künstlerausbildung mit Kunsthistorikern der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München (ZI) sowie der Akademie.
2005 Der Erweiterungsbau der Akademie ist fertiggestellt. Die Akademie beteiligt sich an der Bundesgartenschau in München-Riem mit einer von Stephan Huber, Florian Matzner und Hermann Pitz kuratierten Ausstellung von Studenten.
2008 Ausstellungen zur Geschichte der Akademie in der Pinakothek der Moderne (Architekturmuseum; Neue Sammlung), im Haus der Kunst sowie in der Villa Stuck (Secession) in München. Umfangreiche Veranstaltungsreihe »Föhn, Form, Ferstand« in der Akademie sowie eine speziell konzipierte, verlängerte Jahresausstellung. Die digitale Edition der Matrikelbücher wird im Internet veröffentlicht.
Im Herbst werden nach beinahe 10jähriger Altbausanierung und benachbartem
Neubau die Räumlichkeiten an der Akademiestraße wieder bezogen und damit die provisorischen Außenquartiere der Akademie endgültig aufgegeben.
